Wildcamp auf Militärareal

Als wir am Morgen losfahren bläst der Wind, wie gestern Abend, munter aus dem Süden. Bis nach Holbeach sind unsere Beine überdurchschnittlich gefordert. Danach verlassen wir die Route und radeln direkt ostwärts in Richtung King’s Lynn. Somit ersparen wir uns 20 Meilen gegen den Wind. In Sutterton probieren wir wieder einmal eine Portion Fish and Chips, müssen aber feststellen, dass die schottischen Köche ihr Handwerk besser beherrschen als ihre englischen Kollegen. Es war ziemlich fettig und pampig.

Die Gewitterwolken nähern sich uns rasch von hinten. Sobald wir die ersten Regentropfen spüren, suchen wir Zuflucht unter einem dichten Baum. Zurecht! Plötzlich regnet es in Strömen. Die Strassen werden zu Bächen und die vorbeifahrenden Autos verursachen riesige Wasserfontänen. Zum Glück haben wir mehr als drei Meter Abstand zur Strasse. Nach 20 Minuten ist der Spuk schon wieder vorbei und wir fahren weiter bis nach King’s Lynn. Dort geniessen wir bei Sonnenschein einen Costa Iced Coffee.

Beim Sandringham House, eine hochtouristische Sehenswürdigkeit, machen wir einen kurzen Stopp. Die Besichtigung des prächtigen Landsitzes würde uns 22£ kosten! Da schauen wir uns das Haus lieber auf den Postkarten im Touristenshop an und essen zu zweit zwei Mal in einem Restaurant. So sind halt unsere Prioritäten…

Einige Kilometer nach dem Sandringham House finden wir ein zwar eingezäuntes, aber frisch gemähtes und schönes Plätzchen zum Übernachten. An einer Stelle ist zum Glück der Stacheldraht kaputt und wir hiefen unsere Velos über den nun ungefährlichen, tieferen Zaun. Nach einwe Openairdusche gibt es einen Tomaten-Gurken-Salat und frische Tortelloni (Spinat-Ricotta & Schinken-Käse) mit Kefen und Cherrytomätchen.

Beim Einschlafen werden wir von einem anhaltenden, grossen Jeep “geweckt”. Eine forsche Männerstimme ruft laut “Out!”. So schnell wie möglich zieht Andreas die Hose an und schlüpft in die Schuhe. Der Mann fragt was wir hier zu suchen haben und erklärt uns, dass wir uns auf staatlich-militärischen Boden befinden. Au Backe! :-) Andreas erklärt ihm, dass wir nur auf der Durchreise sind und morgen früh weiterfahren. Erst nachdem der Herr von unserer Nordseeumradelung und Nationalität erfährt, lenkt er ein und meint: “No mess and you leave tomorrow! Is it your word?” Mit einem Handschlag wird das Versprechen besiegelt. Mit erhöhtem Puls krabbelt Andreas zurück ins Zelt und wir sind erleichtert, abends um halb zehn nicht alles einpacken und einen neuen Schlafplatz suchen zu müssen!

22.6.11 – 85km, 5:25h, ^ 167m, 15-25*C, SSW