Die Königsstadt Roskilde

Spätestens als wir durch die luxuriösen Strandhäuser von Køge fahren, ist uns klar, dass wir uns wieder Kopenhagen nähern. Køge hat eine schöne Altstadt in welcher leider der motorisierte Verkehr Zutritt hat. In der Bibliothek informieren wir uns über verschiedene Hotels in Kopenhagen. Das sonst teure Danmark Hotel an bester Lage bietet uns 40% Rabatt ab vier Nächten. So bezahlen wir nur 100 Franken mehr als in einem 10-Bett Hostelzimmer. Das lassen wir uns nicht entgehen.

Mit eingekauftem Zmittag fahren wir bei warmem, sonnigem Wetter in Richtung Hauptstadt. Bei Solrød finden wir einen tollen Standstrand! Nach einer 3-stündigen Zmittag-Bade-Sünnele-Pause treten wir in die Pedalen Richtung Westen. Unser nächstes Ziel ist eine der ältesten Städte Dänemarks: die ehemalige Königsstadt Roskilde. Ein Bischoff von Roskilde hat vor ca. 1000 Jahren die Hafenstadt Kopenhagen (København) gegründet. Wahrscheinlich führt deshalb eine Strasse schnurgerade aus dem Zentrum von Roskilde ins Zentrum von Kopenhagen.

Anstatt die schöne Stadt genauer zu entdecken, bleiben wir bei einem offenen Wirelessnetzwerk beim Liveticker des Olympiatennismatches zwischen Federer und del Potro hängen. Bei 3:6 7:6 17:17 brechen wir ab und fahren zu unserem Nachtplatz im nahen Herslev. Wir erfahren kurz darauf von Michael, dass es nicht mehr lange gedauert hätte. Federer ist im Olympiafinal! Er gewinnt den dritten Satz mit 19:17 :-) . Hopp Fedi! In Kopenhagen müssen wir einen Fernseher finden der das Finale zeigt… Einzig die Domkirche sehen wir uns kurz von aussen an.

Der Lagerplatz liegt wunderschön am Riskildefjord. Er liegt neben einem kleinen Bootshafen, bei welchem wir, nach einem Sprung in den Fjord, eine kalte Dusche benutzen dürfen. Nach Salat, Kartoffelstock und gehacktem Rindfleich an einer Zwiebel-Karotten-Steinpilzsauce verkriechen wir uns das letzte Mal in unser Zelt. Ab Morgen wartet ein Hotelzimemer in Kopenhagem auf uns! Gute Nacht!

3.7.12, 11.Tag: 72km, 4:10h, 19-26*C, W

Stevns Klint

Wir starten vor 8.00 Uhr in den Tag. Unser Ziel ist Stevns Klint, ein Shelterplatz, der über frisches Trinkwasser verfügt, für welchen wir uns aber auf eine längere Reise einstellen müssen. Die Insel Møn lassen wir hinter uns und radeln mit teils Rückenwind, teils Seitenwind nördlich Richtung Præstø, ein Städtchen mit niedlichen, kleinen Reihenhäuschen und wo wir uns für den restlichen Tag mit Essbarem eindecken. Bei knapp 50km erreichen wir hungrig Feddet, wo es einen schönen Badestrand geben soll. Leider ist uns der Wellengang zu hoch und das Wetter zu kalt zum Baden, ideal aber zum Velofahren. So stillen wir unseren Hunger mit Brötchen und radeln weiter.

Unterwegs halten wir im Stevensfortet, eine unterirdische Festung und eines der Hauptquartiere der NATO während des Kalten Krieges. Um 17.00 Uhr erreichen wir erschöpft unseren Lagerplatz. Er liegt direkt an den Stevns Klint. Das sind 40 Meter hohe, weisse Kalkklippen, welche vom vom Leben vor 65 Millionen Jahren zeugen. Zum Znacht gibts frischen Salat, Tomatenrisotto, Honigmelone und einen Rosewein.

2.8.12, 10.Tag: 93km, 5:35h, 18-22*C, E S und W

Søhundehaven und Nyord

Ausgeschlafen und nur ein bisschen von den Mücken im offenen Shelter geplagt fahren wir nach dem Morgenmüesli ohne Gepäck ins kleine, ca. 5km entfernte Städtchen Stege um dort unseren Einkauf zu tätigen und durch die gemütlichen Gässchen zu rollen. Dann gehts in die sogenannte “Seehundsbucht”, wo wir uns im kühlen Meer erfrischen. Abgesehen von einigen schwimmenden Quallen und von ein paar Stellen, die von angeschwemmten Quallen übersät sind, ist das Meer sehr sauber, klar und ruhig. Trotz der Kälte (schätzungsweise etwa 18*C) ist es herrlich darin zu schwimmen. Wir essen unsere gekauften Smørebrøds, faulenzen an der Sonne und brechen anschliessend auf um das Inselchen Nyord zu besichtigen.

Obwohl es auf unserer Karte nicht speziell als sehenswert gekennzeichnet ist, finden wir, dass es ohne zu zögern einen Ausflug wert ist. Wir treffen auf ein sehr interessantes, idylisches und authentisches Dörfchen in welchem heute noch 48 feste Bewohner anzutreffen sind. Drei Viertel des Landes steht im Winter wegen Sturmfluten unter Wasser und dient in der restlichen Monaten als Weidefläche. Die 20 Höfe wurden anfangs des 19. Jahrhunderts gebaut und gehören zu den best bewahrten Dörfern Dänemarks. In einem kleinen Museum informieren wir uns hauptsächlich anhand der Bilder über den geschichtlichen Hintergrund. Eine Strasse weiter werden selbstgemachte, wohlduftende Cremen und Shampoos verkauft.

Obwohl wir bereits gegessen hatten konnten wir der Verführung einer “Frokost-Platte” im Cafe Noorbohandelen, welches über eine grosse Auswahl an selbstgebrannten Schnäpsen verfügt und in welchem auch eine Fotografie-Ausstellung zu sehen ist, nicht widerstehen. Hübsch angerichtet sind ein kleines Salatbouquet, vier verschiedene Käsesorten, ein paar Scheiben Roastbeef, Schokoladekuchen Erdbeeren, Blaubeeren und Wassermelonenstückchen. Dazu gibt es hausgemachten Senf, Zitronenkonfitüre, frisches Brot und Butter. Ein dänisches Feinschmecker-Mittagessen! Auch dem italienischen Eis konnten wir nicht trotzen.

Auf dem Rückweg gibts im Meer noch einmal eine Erfrischung und bevor wir den Mais und das Poulet auf den Grill legen, machen wir noch einen kleinen Spaziergang auf dem Vitaparcours, welcher um unseren Zeltplatz angelegt ist. Da weitere dänische Familien bereits am grillieren sind, profitieren wir von der fertigen Glut. Übrigens schmeckt der Mais ausgezeichnet. Wir haben ihn samt Blätter einfach auf den Rost gelegt. So bleibt es sehr saftig und knackig!

1.8.12, 9.Tag: 36km, 2:15h, 17-23*C, kühler S-Wind

Møns Klint und Liselund

Wir brechen ohne Frühstück auf und radeln die ersten Kilometer. Am Strand von Råbylille essen wir unser Müsli. Das Meer hat heute einen starken Wellengang und rauscht dementsprechend laut. Da wir nicht in der Badehose im Wasser stehen und von einem windstillen Plätzchen die Weite der Ostsee geniessen, spielt das für uns keine Rolle.

Vor dem Mittagessen steigen wir über ca. 500 Treppenstufen die Møns Klint hinunter. Die über hundert Meter hohen Kreidefelsklippen sind ein Naturschauspiel der Extraklasse. Vor allem in der Vormittagssonne, welche zwischen vereinzelten Wolken durchschaut sehen wir ein bezauberndes Spiel von Licht und Schatten. Im Sonnenlicht leuchten die Kreidefelsen richtig weiss. Wie auf einer anderen Welt. Nach einem Küstenspaziergang und dem Aufstieg über andere 500 Stufen Essen wir belegte Schwarz- und Knäckebrote.

Ganz in der Nähe besuchen wir Liselund. Ein Parkanwesen mit schönen Häusern, vielen Teichen und einem kleinen Schlösschen. Antoine Bosc de la Calmette und seine Gattin Elizabeth Iselin bauten das prächtige Anwesen vor 1800. Der Park wurde nach Elizabeth, kurz Lisa, benannt. Eines der Häuser heisst Schweizerhütte. Für uns sieht es mehr nach Dänemark und Wikinger aus als nach einem schweizer Haus. Scheinbar hat es helvetische Bauelemente. Wir haben sie nicht erkannt…

Eigentlich wollten wir hier in der Nähe zelten, doch die Møns Klint und Lieselund sind grosse Touristenmagnete. Wir sehen sogar einige Italiener hier! Unser Entscheid noch weiter zu radeln wird mit einem tollen Lagerplatz mit Schelter, Toilette, frischem Wasser, Feuerstelle und grosser Wiese nur für uns zwei belohnt. Uns umringen so einige schöne Bäumchen: Birnen, Äpfel, Kirschen, Zwetschgen, Holunder, Haselnuss und auch noch Brombeerstauden. Leider sind wir für die Ernte noch zu früh, denn in Dänemark reift alles ein bisschen später als in der Schweiz. Einzig ein paar rote Kirschen versüssen uns den Abend. Das ruhige Plätzchen liegt im Wald westlich von Udby. Zum Znacht versuchen wir nach einem gemischten Salat und vor einer noch nicht ganz reifen Honigmelone eine neue Eigenkreation: Thunfischrisotto Thailändischer Art. Und das geht so: Reis im Thunfischöl andünsten, mit Weisswein ablöschen, mit Wasser aufgiessen, Bouillon dazugeben, nach ca. 5-10 Minuten klein geschnittene rote Pepperoni und Kefen beigeben, weiter köcheln, immer wieder umrühren, kurz vor dem Ende Kokosmilch, den Thunfisch, Currymischung (zu Hause selbst gemischt), Pfeffer und eventuell nochmals Salz zugeben. Nochmals 2 Minuten köcheln. En Guata!

Das Zelt haben wir nur kurz zum trocknen aufgestellt. Denn heute schlafen wir im Shelter! So wie es bis jetzt scheint ist dieser Waldabschnitt mückenarm. Morgen erhalten wir hoffentlich die Bestätigung und nicht rotgepunktete Köpfe.

31.7.12, 8.Tag: 50km, 3:15h, 17-23*C, SW

Auf der Insel Møn

Am Morgen fahren wir wieder an den Oststränden bei Marielyst vorbei. Nach den grossen Ferienhaussiedlungen folgen schöne, grosse Wälder. Mitten in den Wäldern an einer grossen Lichtung am Meer liegt das kleine Fischerdorf Hesnæs mit seinen traditionell erbauten Häuschen, von welchen die Seitenwände und die Dächer aus Schilf bestehen. Auf den Radwegen in Falster (und später auch in Møn) begegnen wir einigen Radreisenden. Auf Sjæland waren wir fast die Einzigen. So schien es uns zumindest.

In der Hafenstadt Stubbekøbing essen wir fritierte Fischfilets mit Pommes beim Hafenimbissstand. Wir geniessen die Sonne und sitzen gemütlich in den Stühlen am Hafen. Wir gehen erst eine Fähre später nach Bogø, von wo wir über einen Damm Møn erreichen. Bei der Fanefjord Kirke halten wir für eine Besichtigung. Sie hat schöne Kalkmalereien an der Decke. Doch das Beste finden wir die drei Modellschiffe, welche über dem Kirchengang und dem Eingang hängen.

Nach 10 weiteren Kilometern erreichen wir unseren Lagerplatz. Für 80 Kronen übernachten wir im Garten einer alten Schule. Die warme Dusche (unsere Erste seit einer Woche!!!) ist inklusive :-) . Vor der Dusche und dem Abendessen fahren wir kurz ans Meer und spazieren gemütlich am Strand entlang. In den lehmigen Klippen nisten viele Schwalben in Löchern. Eines ist für uns sogar erreichbar und wir sehen ein Junges in seinem Loch sitzen. Mama oder Papa pfeift hinter uns ganz laut, während er/sie wie wild flach über dem Wasser fliegt.

Den Regen verpassen wir in der Dusche… Somit können wir wiedereinmal auf einen trockenen Velotag zurückblicken. Zum Znacht tilgen wir die Resten von gestern, dazu gibts nochmals Kartoffelstock und vorher viel Salat. Als Desert haben wir uns ein kleines Kaldskål mit Keksen. gekauft. Doch das mit Holdunder bei Svend war definitiv besser! Wir finden es bei den nächsten Einkäufen bestimmt irgendwo.

30.7.12, 7.Tag: 72km, 4h, 15 – 22*C, W

An der Südspitze Dänemarks

Vor dem Frühstück hüpfen wir kurz ins kühle Meer! Kaum zu Glauben, doch es ist unser erstes Bad in einem Nordmeer und dies, nachdem wir insgesamt fast 100 Tage entlang der Nordsee und nun der Ostsee fahren.

Wir entscheiden uns noch einen Tag hier zu bleiben und steigen gegen zehn Uhr ohne Gepäck auf unsere “frischluft tour” Velos. Es sind zirka 15 Kilometer bis zum südlichsten Punkt von Dänemark. Dort essen wir an der Küste das restliche Risotto von gestern und geniessen die Weite der Ostsee. Zurück fahren wir an der Ostküste von Südfalster, wo es die schönsten Strände von Dänemark gibt. So preist es jedenfalls ein Werbeplakat in Marielyst an. Aus unserer Erfahrung von der North Sea Cycle Route im 2011 wissen wir jedoch, dass es an der westlichen Küste von Jütland noch bessere dänische Strände hat! :-)

Zurück auf dem Lagerplatz essen wir ein paar selbstgemachte “Smørebrød”. Anschliessend dürfen wir an Svends Computer die ersten Fotos unserer Reise auf den Blog laden. Svend lädt uns auf einen Tee mit seiner Frau Anne und seiner Tochter Julie ein. Wir lernen noch ein sehr leckeres dänisches Dessert kennen: Kaldskål. Eine Art Dessertcreme aus Buttermilch mit Holunder (es gibt es auch mit verschiedenen Beeren). Ach ja, das haben wir ja noch gar nicht erwähnt. Svend ist Dirigent, seine Frau Cellistin und seine Tochter studiert Klarinette in Kopenhagen. Eine richtige Musikerfamilie!

Während dem Tee und bis in die Nacht hinein tröpfelt es immer wieder leicht. Bis jetzt sassen wir bei Regen immer im Trockenen. Doch heute Abend stimmt das nicht mehr ganz. Wir haben uns heute 2 kleine Weinflaschen gekauft. Um zu wissen wie gut selbstgekochte Speisen sind, kochen wir uns heute alles aus dem Päckli, Glas oder der Büchse: Kartoffelstock mit Erbsen und Rüebli, dazu noch eine Päcklipilzsauce mit Schinken. Das einzige “frische” war wahrscheinlich das Wasser zum Anrühren und der Pfeffer zum Abschmecken… Kalorien ja, Essbar ja, Gaumenschaus nein. Wir wissen es eigentlich!

Bis wir den Abwasch gemacht haben treffen nacheinander noch je zwei Deutsche ein. Sie sind auf dem Nachhauseweg und fahren morgen mit der Fähre von Gedster nach Rostock. Vor dem Bloggen und Schlafen springen wir nochmals ins Meer um uns frisch zu machen. Haben wir schon die Wassertemperatur erwähnt? 17 – 18*C. Und heute hatte es viele (harmlose) Quallen. Trotzdem, das Meer ist herrlich, oder sagen wir in Dänemark besser königlich?

29.7.12, 6.Tag: 39km, 2:20h, 16 – 20 *C, schwache E- und W-Winde

Ein paar Fotos bis zur Südspitze Dänemarks

Alle Fotos habe ich mit der Canon EOS 5D Mark III aufgenommen und so wie es aussieht, werde ich in Zukunft “meine Grosse” nicht mehr zu Hause lassen. Fotografieren macht einfach viel mehr Spass mit ihr statt mit der kleinen Lumix…

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