Der englische 100er

Von den 35-Morgen-Kilometern bis Norwich fahren wir einen grossen Teil über eine geschlossene Eisenbahnlinie. Norwich ist für uns Velofahrer wirklich eine tolle Grossstadt! Der Eisenbahnweg führt uns ohne Verkehr sicher bis ins Stadtzentrum. Dort trinkt Andreas auf einer Bank einen IceCoffee, während Bettina auf eine kleine Shoppingtour geht. Die drei gekauften Leibchen passen ohne Probleme in unser Gepäck ;-)

Der anschliessende Zmittag beim Take Away Chinesen war leider ein Fehlgriff. Das Sweet and Sour Chicken schmeckte weder nach Sweet, noch Sour, noch Chicken. Es war mehr eine verdickte knallrote Sauce mit undefinerbaren Schludderstücken (Chicken?). Naja… Wir haben zum Glück noch anderen Proviant bei uns.

Auch beim Verlassen der Stadt sind wir keine 5 Minuten im Verkehr. Das ist wirklich einmalig und absolut lobenswert! Danke Norwich! Danach fahren wir lange Strecken über verkehrsarme Landstrassen, vorbei an vielen verschiedenen Feldern.

Beim Kilometer 85 erreichen wir Beccles. Dort machen wir unseren Einkauf für die letzten 30 Stunden in Grossbritannien. An der Kasse bedient uns Margaret, eine an die 70 Jahre alte Dame. Sie ist die Anti-Stress-Kassiererin in Person, jedes Produkt wird gemütlich über den Scanner gezogen, zwischendurch wird der Kunde angelächelt und geschaut ob noch alles in Ordnung ist. Weil wir 3 1,8dl Weinfläschchen kaufen möchte sie von beiden die ID sehen und bedankt sich anschliessend sehr höfflich. Und das im grössten Supermarkt von Grossbritannien (Tesco)! Margaret hätten wir eher im Tante Emma Laden von nebenan erwartet. Es war auf jedenfall eine amüsante Begegnung. :-)

Weil wir wissen, dass es bei den nächsten 50 Kilometerm keinem Camping hat, machen wir nach dem Einkauf beim Freibad einen kurzen Halt. Für den Besucherpreis von 1£ pro Person dürfen wir die Dusche benutzen. Weil es keine Kabinenduschen hat, ziehen wir Badehose und Bikini an und Duschen neben dem Basin, wo uns alle verwundert zuschauen. Die Duschen sind hier auch im Freien geheizt! Danach fahren wir aus dem Städtchen und beginnen nach einem Schlafplätzchen Ausschau zu halten. Wir sehen jedoch nur Felder, Weiden und vereinzelte Höfe, welche die möglichen Plätzchen im Blickfeld haben…

So fahren wir sogar bis Halesworth, ein kleines Städtchen, in welchem es überall nach leckerem Abendessen riecht. Uns knurrt der Magen und der Kilometerzähler zeigt schon 100 an. Endlich kurz nach Halesworth finden wir eine ungenutzte Wiese unterhalb der Strasse. Ohne zu zögern stellen wir unser Zelt auf und knabbern zum letzten mal English Hand Cooked Chips. Danach essen wir noch ein Rüebli und einen Pfirsich, während wir der kochenden Pasta zuschauen. Zur Pasta braten wir kurz Zwiebeln an und dämpfen sie anschliessend mit halben Cherrytomaten und Oliven. Würzen, Pasta darunter ziehen und endlich haben wir unseren Znacht! Zum Dessert essen wir noch 600 Gramm frische Erdbeeren. Lecker!

Weil wir morgen Abend auf der Fähre nach Holland schlafen, wünschen wir uns das letzte Mal auf der britischen Insel Gute Nacht.

24.6.11 – 104km, 6:40h, 474m, 13-22*C, W