North Sea Cycle Route

Auf dem alten Eisenbahntrasse

Am Morgen führt uns die ehemalige NSCR-Route über Stock und Stein durch den Wald. Auf einer kleinen Brücke füllen wir unsere Energiespeicher mit Müesli. In Turiff treffen wir einen hiesigen Velofahrer, der für die Routen-Signalisierungen der Region freiwillig die Verantwortung übernommen hat. Es freut ihn, als wir ihm mitteilen, dass die Beschilderung immer ausreichend, gut ersichtlich und korrekt ausgerichtet ist. Wir kaufen im Tesco das Mittag- und Abendessen und fahren noch über die letzten Hügel, bevor wir in Maud auf die alte Eisenbahnstrasse einbiegen, welche uns bis nach Aberdeen führen wird. Unser Zelt errichten wir in einem Wald, an dem uns die alternative Route (die offizielle Route geht nicht über die gesamte Eisenbahnstrecke) vorbei führt. Zum Znacht gibt es chinesische Nudeln mit einem Süss-sauer-Gemüsewok.

5.6.11 – 69km, 5h, ^ 680m, 15*C, E

4000 Kilometer

… oder etwa 1,5 Millionen Beinbewegungen pro Person :-)

Da der Wind heute Morgen aus Nordost bläst ist es sehr frisch als wir starten. In Elgin kaufen wir zwei grosse Pancakes und ein Kornbrot (wirklich gut!). Die anschliessende Küstenfahrt ist sehr abwechslungsreich und landschaftlich toll. Nach dem Lunch, beim Eisenbahnviadukt von Spey, schlecken wir ein Eis in Buckie. Kurz darauf erfahren wir in Cullen, dass hier die beste Gelateria der Region sei. Deshalb kaufen wir uns gleich noch ein Glace. Besser gesagt waren es wafers; 2 hausgemachte Vanilleeiskugeln zwischen zwei Waffeln. Die eine ist nature und die andere “doppelwandig” mit Mohrenkopffüllung und Schokoüberzug. Lecker!

Unseren Znacht kochen wir in Banff mit einem herrlichen Meerblick. Es gibt einen PastaWok in Olivenöl gebraten (Poulet, Kefen, Pepperoni, Gurken und Schalotten). Da überall Hundespaziergänger herumpilgern, fahren wir nach dem Znacht durch Banff hindurch und schlagen unser Nachtlager im nahegelegenen Wald auf. Der Wald besteht aus sehr alten Bäumen und dazwischen hat es grosse Büsche mit prächtigen, violetten Blüten. Auch die Vogelvielfallt muss recht gross sein. Wir sehen zwar nur wenige Vögel, hören aber umso mehr Vogelgesänge beim einschlafen.

4.6.11 – 82km, 5:55h, ^ 670m, 10-20*C, NE

Benromach Distillery

Heute vor 2 Monaten sind wir in den Zug nach Amsterdam gestiegen! Seither sind wir durch Holland, Deutschland, Dänemark, Schweden und Norwegen, via die Shettland und Orkney Inseln bis nach Schottland geradelt. Morgen werden wir die 4000 Kilometergrenze knacken und die letzten knapp 2000 bis Amsterdam in den Angriff nehmen.

In kurzen Hosen und T-Shirt können wir aufstehen, so warm ist es heute Morgen schon! Sonnencreme und Sonnenbrille, Pausen im Schatten und viel trinken ist heute die Devise. Was wollen wir mehr? Ja genau, flache Velowege mit leichtem, kühlendem Rückenwind. Perfekt! So ist der heutige Tag :-)

In Nairn treffen wir ein 70-jähriges, dänisches Ehepaar, welches ebenfalls auf der North Sea Cycle Route unterwegs ist! Sie sind am 6. April in Dänemark gestartet und fahren die Route im Uhrzeigersinn. Wir plaudern ein wenig und geben ihnen noch Tipps für die Weiterreise mit den Fähren und dem Flugzeug bis nach Norwegen. Heute sind sie ihren 3500-sten Kilometer gefahren und das mit 70 Jahren. Respekt!!!

Nach einer weiteren sonnigen und lockeren Fahrt über schöne Nebenstrassen, durch Wiesen und Wälder erreichen wir Forres. Um einen Besuch der kleinsten schottischen Whisky-Brennerei kommen wir nicht herum. Die Benromach Scotch Single Malt Distillery brennt seit 1898 edelsten Single Malt Whisky. Die Führung durch die Brennerei mit Museum und anschliessender Degustation ist sehr spannend. Der Benromach 10 Years schmeckt uns sehr! Wir zweifeln sehr, dass wir nach englischem Recht (0,2 Promillegrenze) noch Radfahren dürften.

Der gemütliche Tag soll auch gemütlich enden. Deshalb steuern wir den Camping nach Kinloss an. Für britische Verhältnisse ist er zwar teuer (14£ statt den üblichen 10£), doch wir möchten das schöne Wetter noch beim Faulenzen weiter geniessen und stellen unser Zelt auf. Nach dem Penne-Tomaten-Gurken-Salat knabbern wir noch Knäckebrot mit Confi und Honig.

3.6.11 – 63km, 3:50h, ^ 400m, 20-26*C, W

Sommertag!

Bei 15 Grad und blauem Himmel starten wir um 8 Uhr in Richtung Inverness. Schon bald fahren wir in T-Shirt und kurzen Hosen. Es ist kaum zu glauben, dass der Sommer endlich auch bei uns ist! In Tain kaufen wir uns in der Bäckerei ein frisches und knuspriges Brot, sowie einen Pancake und einen Donut für den Znüni.

Kurz vor dem Mittag fahren wir mit einer kleinen Fähre über den Cromarty Firth. Dort treffen wir wieder John, den Engländer vom letzten Camping, der bis Aberdeen der NSCR entlang fährt. Nach der Fähre geniessen wir in einem Cafė in Cromarty Schokokuchen, Weinbeerbrötchen mit Confi und Rahm, sowie Tea and Coffee. Gemeinsam mit John fahren wir die anschliessenden 40 Kilometer bis nach Inverness. Dort verabschieden wir uns von ihm und suchen das Hospital auf. Der Bluttest von Andreas wird ohne grosse Warterei gemacht und es ist alles in Ordnung.

Um 19:30 Uhr sind wir im Tesco fertig mit dem Einkauf und müssen nur noch einen Schlafplatz finden. In einem Wald einige Kilometer ausserhalb der Stadt stellen wir das Zelt auf und duschen mit Wasser aus der Petflasche. Ein Fisch-Gemüse-Curry mit Wildreis, Salat und Weisswein essen wir zum Znacht. Zum Dessert gibt es frische Erdbeeren mit griechischem Jogurt und Knuspermüesli. Heute schlafen wir nur in den Seideninnenschlafsäcken ein. Wir freuen uns sehr über die Wärme und hoffen, dass sie noch lange anhält! :-)

2.6.11 – 83km, 5:35h, ^ 715m, 23*C, SW

Ab in den Süden!

Während der ganzen Nacht regnet es. Um vier Uhr ist es schon wieder heller Tag und der Wind nimmt mit jeder Morgenstunde zu.

Ein English Breakfast gibt es um acht Uhr! Tea, Fruitjuice, Porridge, Eggs, Bacon, Saucage, Mushrooms and Toast (von selbstgemachtem Brot!). Wir haben gar keine Lust im Suddelwetter Rad zu fahren und sitzen darum einfach noch ein bisschen in der Wärme und hören dem Wind zu, wie er ums Haus pfeifft.

Als wir um halb elf auf unsere Velos steigen hat sich am Wetter noch nichts geändert. Trotzdem fahren wir zuversichtlich in Richtung Süden. Und siehe da, nachdem wir 100 Höhenmeter tiefer sind, wird der Regen zu Niesel und kurze Zeit später hört es ganz auf zu regnen. Der Rest des Tages fahren wir mal bei Sonne, mal im Schatten von Wolken. Das Thermometer klettert sogar knapp über 20 Grad! Ist das endlich unser lang ersehnter Sommeranfang?

Nach Lairg führt uns die Route zuerst an den Shin Falls vorbei und später ostwärts (Rückenwind! :-) ) entlang des Dornoch Firth bis zum Camping kurz vor Tain. Heute begnügen wir uns mit relativ lockeren 60km und gut 220 Höhenmetern. Unsere Beine werden es uns danken.

Zum Znacht gibt es Penne mit einer pikanten Pepperoni-Rüebli-Tomatensauce, dazu Cheddar Cheese und gemischten Salat. Neben uns campen noch ein Schotte und eine Holländerin. Beide sind ebenfalls mit ihren Rädern unterwegs und bereisen Nordschottland, sowie Orkney und Shetland. Wir wünschen ihnen besseres Wetter als wir es hatten! Doch die Prognosen sehen ja von Tag zu Tag besser aus :-)

1.6.11 – 61km, 3:35h, ^ 220m, 14 – 21 (!) *C, W

Scottish Highlands

Abgesehen von 2 Minuten leichtem Nieselregen haben wir heute unseren ersten regenfreien Tag seit langem! Wir haben heute auch das erste Mal das Gefühl, dass es langsam Sommer werden könnte. Der Wind ist nicht mehr kalt, sondern mild. Auch bei den Pausen spüren wir die Wärme der Sonne. Die Temperaturen sind ideal zum Velofahren. Wir kühlen nicht mehr aus und schwitzen auch nicht. :-)

Die Morgenfahrt von Melvich nach Tongue ist sehr hügelig. Die Höhenmeter ähneln stark den norwegische Werten. In Tongue müssen wir Geld abheben. Das ist gar nicht so einfach, obwohl es 2 Cash Automaten und eine Bank hat. Die Postcard akzeptiert niemand hier und auch die Mastercard scheitert an den Cashboxen. Auf der Bank vollbringt die Angestellte eine grosse Prozedur bis sie uns die 500£ aushändigt. Sie kopiert die Kreditkartennummer mit einem alten Durchdruck-Gerät und prüft dann telefonisch die Gültigkeit der Kreditkarte. Das Ganze dauert mehr als 5 Minuten. Nach einer Unterschrift und der Überprüfung der Identitätskarte bekommen wir unser Geld. Provinz? Schon ein bisschen :-)

Aber alle sind hier so freundlich! Die Mehrheit der Autofahrer grüsst uns beim Vorbeifahren. Einige hupen als Dank fürs An-den-Rand-fahren oder Winken aus dem Fenster. Einer hat uns auf einem Passing Place sogar applaudiert. So macht Radfahren Spass, wenn sogar die Autofahrer Freude an uns haben.

Nach Tongue stechen wir südwärts in die Northwestern Highlands. Eine umwerfend schöne Landschaft! Und so unbewohnt! Nur die Natur, die schmale Strasse (Single Track) und wir. Ab und zu fahren Motorräder, Autos oder Holztransportlaster an uns vorbei. Sonst sind wir ganz alleine in den Highlands.

Unser Tagesziel ist Altnaharra. Dort finden wir jedoch keinen Camping. Wir fahren deshalb bis nach Crask Inn: zwei ältere Häuser mitten in den Highlands. Die Nachbarn sind 8 bzw. 10 Meilen entfernt. Dort gibt es eine Camping Site, eine Wiese neben dem Haus fürs Zelt. Das Haus hat auch eine kleine Bar mit drei Tischchen und einem flakernden Holzcheminee. Wir bestellen nach dem Aufstellen des Zelts einen Tee und geniessen die wohlige Wärme. Wir entscheiden uns, die gekaufte Pasta erst morgen zu kochen und melden uns fürs Dinner im Haus an.

Es ist richtig heimelig im Haus. Die Besitzer sind waschechte, einfache und sehr herzliche Schotten. Um halb Sieben bekommen wir eine handgeschriebene Menükarte. Es sind unterdessen auch noch andere Gäste eingetroffen, welche um halb Acht mit uns dinnieren. Wir bestellen beide Vorspeisen, einen Pilztoast und eine Pigeon Suppe. Danach gibt es schottisches Haggis (gehacktes Lamm, eine schottische Spezialität und sehr lecker!) und Roast Brisket mit Yorkshire Pudding (Siedfleisch und omelettähnlicher Kuchen in Muffinform), dazu Kartoffeln und verschiedenes Gemüse. Zum Dessert essen wir den Reispudding mit gedämpften Pflaumen. Der Speisesaal ist niedlich und wir essen zum ersten Mal mit Silberbesteck! Dieses Dinner ist einfach toll! Wie “von der schottischen Grandma”.

Müde von unserem längsten Velotag der ganzen Tour – wir waren 6:30 Stunden im Sattel und sind 81 Kilometer, sowie 1163 Höhenmeter gefahren – schlafen wir kurz vor Elf in unserem zu Hause zufrieden ein. Ja, das Zelt ist zu unserem zu Hause geworden. Der vertraute Ort, der, egal wo wir auch hinfahren, “der Gleiche bleibt”.

31.5.11. (Unglaublich, Morgen ist schon Juni :-) ) – 81km, 6:30h, ^ 1160m, 12-18*C, W

Die Motivation ist zurück

Wann hatten wir zum letzten Mal solch einen Morgen? Als wir aus unserem Zelt krabbeln, scheint die Sonne am blauen Himmel! Einfach wunderbar!

Bis um 11 Uhr fahren wir zwar gegen den Wind doch die Sonne hilft uns mental beim Vorankommen. Dann setzt die erste Schauer ein. Das Wetter bleibt typisch Englisch. Sonne und Regen wechseln sich ab. Die Natur zeigt endlich wieder Farbe. Sträucher mit gelben Blüten wechseln die Strassenränder mit Steinmauern und saftiggrünen Wiesen ab. Und es duftet herrlich hier in Schottland. Die gelben Blüten haben einen intensiven fruchtig-nussigen Duft. Die kargen Inseln sind definitiv Vergangenheit! Wir geniessen das Wetter und das Velofahren in vollen Zügen!

In Thurso gibt es Zmittag und wir erkundigen uns im kleinen Spital, ob Andreas den Rheuma-Blutcheck, der nach zwei Monaten nun fällig ist, machen lassen kann. Sie weisen uns aber weiter ins Spital in Inverness, da dort alle nötigen Vorrichtungen für einen sofortigen Check vorhanden sind.
Am Nachmittag, nach einer kurzen Pause, hat das Vorderrad von Bettina schon wieder einen Platten. Wir entdecken einen kleinen Nagel im Reifen, der seit gestern feststeckt. Der Schlauch ist schnell geflickt.
Am Abend stellen wir das Zelt neben einem schönen Aussichtspunkt-Parkplatz auf und kochen Wildreis mit drei verschiedenen Fischvariationen, Butterrüebli und einer Weissweinrahmsauce. Zur Vorspeise gibt es Eisbersalat mit Cherrytomaten und zum Dessert 4 verschiedene Joghurts.

Shetland und Orkney haben uns viel Energie und Motivation gekostet. Die beiden Inselgruppen wären sicher super toll zum erkunden, doch bei Fahrradreisen sieht die Prioritätenliste anders aus, als beim “motorisierten” Reisen. Das Entdecken kommt nun mal nach einem trockenen Schlafplatz oder einer kräftesparenden Route bei schwierigen Wetterbedingungen. Leider war Petrus in den letzen beiden Wochen nicht in bester Laune. Seine Stimmung drückte auch auf die Unsere.

Der erste ganze Schottlandtag tut uns richtig gut! Seit langem spüren wir wieder die Wärme der Sonne und sehen sie nicht nur kurz zwischen den Wolken. Am Abend beim Znacht im Zelt sitzen wir sogar im T-Shirt, weil das Zelt gemütlich aufgewärmt wird. Obwohl der Wind noch da ist und es ab und zu regnet, können wir viel Energie tanken :-) So sind unsere “Grundbedürfnisse” gedeckt und das Entdecken hat wieder Platz in unseren Touren.

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John o’Groats

Bye, bye rainy and windy islands! Hello Scottland!

Wir starten am Morgen mit etwas Rückenwind und fahren von Stromness in Richtung Kirkwall. Unterwegs machen wir noch einen kleinen Abstecher zum “Ring of Brodgar”. Diese Sehenswürdigkeit haben wir am Vortag aufgrund der direkten Route verpasst. Es ist ein riesiger Kreis mit länglichen Steinen, welche vor über 5000 Jahren gesetzt wurden. In Kirkwall kaufen wir uns wieder einmal ein heisses Grillhähnchen und verdrücken es sogleich.

Die Nachmittagsfahrt ist sehr anstrengend. Es regnet und da wir dachten, dass der Regen bald aufhört, haben wir die Regenbekleidung für die Schuhe zu spät angezogen. Wir haben Seiten- und Gegenwind und wir müssen ausgerechnet in der auskühlenden Kälte noch einen Schlauch wechseln. Unsere erste Panne seit 3623 Kilometer! Wir überqueren die Churchill Barriers, welche im zweiten Weltkrieg erbaut wurden, damit die deutschen U-Boote nicht unbemerkt zwischen den Inseln hindurch tauchen konnten um anschliessend die britischen Kampfschiffe der Royal Navy zu torpedieren. Fast am Ende unserer Kräfte dringen dann aber ein paar Sonnenstrahlen durch die Wolkendecke und wir fahren mit neuer Kraft die letzten Kilometer bis zur Südspitze von Orkney.

Auf der Fähre nach John o’Groats reisst der Himmel plötzlich auf und ist beinahe wolkenlos. Leider ist es auch auf dieser kleinen Fähre sehr unruhig… Bettina freut sich, dass es für die nächsten paar Wochen keine Fähren mehr gibt. In John o’Groats gehts direkt auf den Campingplatz und unter die warme Dusche. Zum Znacht kochen Wir Pasta mit einer Hackfleischbällchen-Rüebli-Pilz-Sauce.

Das Beste zum Schluss: Die lang ersehnte Abendsonne, am fast rein-blauen Himmel. Denn langsam haben wir die kalten, nassen und windigen Maitage (-wochen) gesehen… Wir hoffen sehr auf einen sonnigen, sommerlichen Juni!

29.5.11 – 72km, 5:15h, ^ 600m, 13*C, S bis W

Der Wind…

Schon um 3 Uhr beginnt es zu dämmern. Somit haben wir knapp 3 Stunden “richtige Nacht”. Der Wind schlägt immer noch sehr stark an unser Zelt und etwa im Stundentakt regnet es kurz und heftig. Gegen 8 Uhr kriechen wir aus den Schlafsäcken und flüchten beim Zelteinpacken vor einer erneuten Regenschauer auf die windgeschützte Seite des Stromhäuschens.

Beim Losfahren merken wir schnell, dass es heute ein strenger Tag wird. Aus Süd bis West bläst der Wind in ungeheuerlicher Stärke. Die geplanten 75km Route kürzen wir schnell auf 60km. Leider fahren wir so an sicherlich schönen Küstenstücken vorbei. Doch wir möchten heute Abend eine Dusche und die gibt es auf dem Camping von Stromness. Von den 60km fahren wir gerade mal 20km “mit dem Wind” (mehr von der Seite). In den restlichen 40km sind unsere Gangschaltungen meistens zwischen 2 und 4 eingestellt. In Kilometern pro Stunde gibt das 6 bis max. 10! Dazu kommrn noch die stündlichen Regenschauer, die uns zu Pausen an geschützten Hauswänden oder wenn diese nicht vorhanden sind, zum Anziehen der Regenbekleidung, zwingen. Obwohl das Thermometer zwischen 10 und 15 Grad anzeigt, fühlt es sich an wie 5 – 8 Grad. Unsere Energie verpufft beim Strampeln gegen den Wind gleichermassen, wie beim Wärmen des Körpers.

Um 17:00 Uhr erreichen wir endlich Stromness und die 10-Minuten-für-20-Pence-Dusche ist Balsam für unsere Körper. Es sind nicht einmal die Bein, die schmerzen, sondern das Genick und die Schultern, welche das Gewicht des Kopfes die ganze Zeit gegen den Wind gestemmt haben. Zur Belohnung kochen wir uns leckere Pasta an einer Spargel-Pilz-Parmaschinken-Käse-Rahm-Sauce, davor gibt es einen Salat und zum Dessert geniessen wir frische Erdbeeren, Himbeeren und Blaubeeren.

Am Wind und an den Regenschauern hat sich auch am Abend nichts geändert. Und für die nächsten Tage sagen die Zeitungen keine Besserung voraus. Wir bleiben am Abend im Zelt und verzichten auf einen Stadtbummel durch Stromness.

28.5.11 – 59km, 5:10h, 10-15*C, stark S bis W

Orkney Islands

Das Wetter ist heute morgen viel besser als gestern. Zwischen wenigen, weissen Wolken scheint die Sonne hindurch. Nach dem Frühstück im Böd Sailing Loft fahren wir an der Westküste zurück nach Lerwick. Shetland zeigt sich von einer ganz anderen Seite! Die karge Regeninsel hat sich in eine grüne Frühlingsinsel gewandelt. Es ist herrlich! Vor allem der Weitblick auf der Insel geniessen wir sehr. Egal wo wir sind, überblicken wir immer weite Teile von Mainland und den nahe gelegenen Westinseln. Kurz vor Lerwick montieren wir für eine kurze Regenschauer unsere Regenkleidung. Doch beim Stadtbummel durch Lerwick scheint schon wieder die Sonne. Der Blick von der Festung auf dem Stadthügel in der Nachmittagssonne über die schönen Steinhäuser von Lerwick ist fabelhaft.

Um 17:30 fahren wir mit einer grossen Fähre von den Shetland Inseln in Richtung Orkney. Auf der Fähre essen wir unseren ersten Fish mit Chips und verfolgen den Sieg von Wawrinka am French Open.

Nach mehr als 6 Stunden Überfahrt laufen wir in Kirkwall ein. In voller Regenmontur fahren wir um 23:00 Uhr in die windige und regnerische Nacht. Die Orientierung ist sehr schwierig, da wir zwischen den blendenden Autoscheinwerfern und Strassenlaternen, praktisch nichts sehen. Beim ersten offenen Feldweg biegen wir von der Hauptstrasse ab und finden hinter einem alten Stromhäuschen ein einigermassen geschütztes Plätzchen. Müde stellen wir in der Dunkelheit unser Zelt auf und bringen alle Taschen ins Trockene. Im Schlafsack ist uns schon viel wohler. Der Wind wird immer stärker und das “flatternde” Zelt macht einen rechten Lärm.

27.5.11 – 51km, 3:55h, ^ 800m, 12*C

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