Donau Radweg

Im Eilzug an den Badesee bei Neukirchen

Unser heutiges Ziel ist der Badesee in Feldkirchen. Da wir zum ersten Mal nicht gegen den Wind fahren, kommen wir sehr schnell voran. Der Radweg führt wie meistens top ausgebaut und ohne Verkehr über den Donaudamm. Hier macht das Radfahren richtig Freude. An der Sonne, mit kühlendem Wind, einer herrlichen Aussicht mitten in der Natur und der sportlichen Betätigung können wir richtig abschalten.

Zum Lunch am Donauufer bei Linz zeigen unsere Kilometerzähler schon 66km an. Wir geniessen unsere belegten Brote und schauen den vorbeispazierenden und -radelnden Leuten, sowie dem Schiffsverkehr auf der Donau zu.

Im Machland fahren wir durch eine Region, die besonders stark von den Überschwemmungen betroffen waren. Hier stand das Wasser zum Teil bis 3 Meter hoch. Nach dem verherenden Hochwasser von 2002 wurden schon viele Schutzdämme gebaut und einige Höfe, sowie ein Dorf ausgesiedelt. Trotzdem sind die Schäden enorm. Überall sind heute noch Bagger und Arbeiter daran, den “Normalzustand” wiederherzustellen.

Beim Kilometer 90 und mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von über 22 erreichen wir um zwei Uhr Nachmittags schon den Badesee bei Feldkirchen. Nach dem speditiven Zeltaufbau liegen wir faul am See und nehmen ein erfrischendes Bad. Duschen, Wäschewaschen und nochmals Faulenzen überbrücken unsere Zeit bis zum Znacht im Seerestaurant Thalhammers.

16.7.13 – 90km, 4:15h, 18-28*C, leichter Südwind

20130716-200235.jpg

Durch die Wachau und Niebelungengau

Der heutige Tag steht im Zeichen mehrerer Premieren.

Erstens fuhren wir auf der Donauroute noch nie durch ein so abwechslungsreiches und landschaftlich sehenswertes Gebiet. Die Wachau, bekannt für ihre Marillen und Weine, ist wunderschön an der Donau gelegen. Immerwieder fahren wir durch Obstplantagen (Marillen, Äpfel, Birnen, Pfirsiche) und Rebberge. Wir sehen auch viele Burgen, Schlösser und Ruinen, welche auf reges Treiben in früheren Zeiten schliessen lassen.

Zweitens regnet es heute zum ersten Mal richtig. Glücklicherweise sind wir jedes Mal nicht auf unseren Velos, sondern besichtigen die prachtvolle Stift in Melk und beim zweiten Regenguss sind wir am einkaufen.

Drittens besuchen wir ein Fahrrad Museum. Als wir an Ybbs vorbeikommen, folgen wir den Wegweisern durchs Städtchen zum Museum. Da wir die einzigen Besucher sind, geniessen wir eine Privatführung der Kassierin durchs kleine Museum. Natürlich setzen wir uns auch auf die alten (Hoch-)Räder.

Und viertens und letztens bezwingen wir heute (teils zu Fuss) einen 10-minütigen 10-20% Anstieg zu einem kleinen Campingplatz oberhalb der Donau. Da der Camping zu einer Pension gehört, erhoffen wir uns einen leckeren, österreichischen Znacht. Doch das Restaurant und die Köchin überzeugen uns gar nicht und wir essen in unserem Zelt: Salat, Pasta Napoli (selbstgekocht, kein Packrl) und zum Dessert Marillenkompott.

Langsam merken wir,dass unsere Körper klagen und die Müdigkeit nimmt ebenfalls mit jedem Tag ein bisschen zu. Deshalb gehen wir immer früher zu Bett (heute um 20:45), damit wir für den nächsten Tag wieder fit sind. Gute Nacht!

15.7.13 – 84km, 4:35h, 22 – 26*C, Westwind

20130716-190049.jpg

20130716-190124.jpg

Rebberge und Marillenknödel in Krems

Unseren ersten Halt machen wir in Tulln, wo wir eine Bäckerei “plündern”. Tulln ist bekannt für seine Gärten (20 Hektaren). Wir sehen jedoch nur die ankommenden Besucher auf den Parkplätzen davor.

Am Mittag kehren wir in einer Radlerbeisl ein. Nach unserer Bestellung setzt sich eine Familie aus Meistersrüte AI mit drei Kindern zu uns. Die Kleinste darf sich ab und zu mit ihrem Rad am “Radhuckepacksysten” von Papa anhängen. Die anderen beiden strampeln schon ganz alleine! Trumpfjassen gehört für die 5- bis 8-jährige Jungmannschaft zum Tagesablauf.

In Krems tummeln wir nach einem Eis durch das Marillen Fest. Zwei frisch zubereitete Marillenknödel lassen wir uns nicht entgehen. Jetzt beginnt der schönste Teil der Donau bis nach Passau! Der breite Fluss schlängelt sich in grossen Schlaufen durch die Hügelzüge. Das Flachland lassen wir für ein paar Tage hinter uns.

Der Gegenwind aus Westen hält sich immer noch hartnäckig. Trotzdem fühlen wir uns immer noch fit und radeln wieder über 80km. Dank einer bevorstehenden Grosswetterlagenverschiebung hoffen wir am Dienstag vermehrt in den Genuss von seitlichem Nordwind und ab Mittwoch den langersehnten Ostwind als zusätzliche Antriebskraft nutzen zu können. Über unsere Route sind wir uns jetzt auch im Klaren. Von Passau folgen wir bis Günzburg der Donau. Ab Ulm wechseln wir vom Donauradweg auf den Donau-Bodensee-Radweg, welcher uns zum Bodensee bringt. Von dort ist es noch eine Tagesetappe bis nach St. Gallen.

Von unserem Campingplatz in Rossatzbach geniessen wir einen herrlichen Ausblick auf Dürnstein am Nordufer. Wir baden heute zum ersten Mal in der Donau! Das Wasser ist hier schon viel sauberer als noch vor ein paar Tagen. Zum Znacht weihen wir ein neues Gewürz in unsere Tourenküche ein: Safran! Es gibt einen Gemüse-Safranreis verfeinert mit Créme Fraiche (Tomate, Gurke, Pepperoni, Frühlingszwiebeln). Superlecker! Vor allem die Gurke gibt zusammen mit dem Safran das gewisse Etwas.

14.7.13 – 81km, 4:40h, 23 – 33*C, Westwind

20130714-222221.jpg

20130714-222238.jpg

20130714-222253.jpg

20130714-222301.jpg

Kaiserstadt Wien

Nach einem ausgiebigen Frühstück verlassen wir um 10.00 Uhr das Hotel. Trotz Gegenwind kommen wir recht zügig voran, im Schnitt fahren wir 18km/h, denn die Strassen sind entweder sehr gut asphaltiert oder bestehen aus einwandfreiem Sandschotter. Ohne die Landkarte zu studieren, fahren wir, die Natur geniessend, auf dem Donau-Radweg an blumig-süsslich duftenden Wiesen vorbei nach Wien. Eine mehrere Kilometer lange, schnurgerade Allee bildet den Eingang in die Hauptstadt Österreichs. Sie dient den Städtern auch als Wanderweg und bietet links und recht zahlreiche Vergnügungsmöglichkeiten. Obwohl uns die Grossstadt mit ihren schönen Bauten imponiert, verlassen wir sie nach einem kleinen Rundgang, da uns eine Stadtbesichtigung mit unserem ganzen Gepäck und ohne persönlichen Guide zu beschwerlich erscheint. Auf einem Campinglatz kurz nach Wien stellen wir unser Zelt auf und stellen (mit Schrecken) fest, dass auch hier die Flut noch Wirkung zeigt. Die überschwemmten Gebiete sind von wilden Stechmücken übersät. Ein neues Fläschchen Antibrumm muss her. Im kleinen Dorfrestaurant Stadtbeisl, das uns die Receptionistin empfohlen hat und das nicht im Touristenführer steht, belohnen wir uns mit schmackhafter Hausmannskost.

13.7.13 – 88km, 5h, 22 -32*C, Westwind

20130713-220534.jpg

Mit Liebesgrüssen von der Nordsee nach Bratislava

In den Sattel schwingen wir uns um acht Uhr. Nach den Kiesstrapazen von gestern wählen wir eine Route über das slowakische Hinterland. Wie schon in den vorherigen Tagen sehen wir viele Weizen-, Mais-, Raps-, und Sonnenblumenfelder.

Bis zum frühen Zmittag in Gabčíkovo kommen wir gut voran. Danach fahren wir eine Endlosstrasse am Donaudeich entlang Richtung Nordwesten. Von dort bläst auch ein zügiger Wind. Einzig die Wärme lässt uns nicht in Nordseeerinnerungen abdriften.

Um fünf Uhr, nach 96km gegen den Wind erreichen wir Bratislava. Wir beziehen ein Hotelzimmer gleich im Zentrum und bummeln nach der Dusche durch die lebendige Altstadt. Andreas kauft sich ein neues Objektiv (EF 35mm/f2), damit die Canon EOS 5D Mark III wieder einsatzfähig wird. Die grosse Auswahl an Restaurants überfordert uns fast ein wenig… Leider werden wir enttäuscht – Die Küche des Minerva gehört zur Kategorie “Nahrungsmittelzufuhr” inkl. rauchende Nachbarn. Nicht wirklich empfehlenswert! Wir vermissen die ausgezeichneten Restaurantführer Marc & Zsofie von Budapest!

Bei unserem Abendspaziergang auf den Schlosshügel werden wir von einem tollen Feuerwerk begrüsst. Die Aussicht ist hier oben, wie in Budapest, atemberaubend! Zum Tagesabschluss geniessen wir in einem Eiskaffee zwei Frappes und gehen dann müde zu Bett. Morgen radeln wir nah Wien und haben somit in fünf Tagen, drei Hauptstädte nur mit dem Velo besichtigt.

12.7.13 – 96km, 5:55h, 19-26*C, mässig bis starker Nordwestwind

20130712-210659.jpg

20130712-210716.jpg

20130712-210811.jpg

An der slowakischen Donau

Die Strassen in Ungarn sind meist in einem bemittleidenswerten Zustand. Dem entsprechend werden unsere Tourenvelos von Simpel auf ihre Schütteltauglichkeit geprüft. Wenn die Strassen einige Kilometer neu aussehen, steht meistens ein Infoschild der EU daneben.
Um ca. 13.00 Uhr pausieren wir auf dem grossen, hübsch gepflegten Pflastersteinplatz der Gemeinde Komaron. Der mit Blumenbeeten, Springbrunnen und Holzbänken eingedeckte Vorplatz steht im krassen Gegensatz zu den sonst häufig alten und zu wenig gepflegten Bauten Ungarns. Oft stehen Industriegebäude und die Betonmauern angefangener Neubauen seit längerem verlassen und ungenutzt da.

Vom ungarischen Komarom fahren wir über die Donau ins slowakische Komarno. Ob die Radwege und Strassen hier in einem besseren Zustand sind, können wir bis jetzt gar nicht beurteilen, weil unser Weg über einen laaangen Schotterweg auf dem Donaudeich geht. Dazu kommt noch der immer stärker werdende Wind aus Westen. Unsere Geschwindigkeit fällt von ca. 20 km/h auf gerade noch 10 km/h. Die Weiterreise wird zur Belastungsprobe… wenigstens sind die Temperaturen (22-25*C, kühlender Wind) ideal zum Radfahren!

In Dolina fahren wir gegen 18 Uhr endlich wieder auf Teer. Da es bis Wien keinen Camping mehr gibt, folgen wir einer “Zimmer frei – Zeltplatz” Tafel und werden von einem älteren Ehepaar in ihrem Garden willkommen geheissen. Ein windstiller Platz fürs Zelt und die Möglichkeit WC/Dusche zu benutzen, sind der Lohn für den anstrengenden Nachmittag. Zum Znacht benutzen wir erstmals unseren Kocher. Es gibt Salat, danach ein Pilz-Gemüse-Reis und als Dessert ein Joghurt, sowie ein kleines Stück Bündner Nusstorte aus Ftan!

11.7.13 – 81km, 5:20h, 22-25*C, mässig bis starker Westwind

20130711-210052.jpg

20130711-210105.jpg

20130711-210127.jpg

20130711-210136.jpg

20130711-210147.jpg

Erster Tag auf dem Donauradweg

Während unserem ersten Velotag sehen und spüren wir die Folgen des Donauhochwassers. Viele Radwege liegen unter dem Wasserhöchststand, was an den Schlamm- und Schwemmrückständen an Bäumen, Zäunen oder Häusern zu erkennen ist. Viele Wiesen sind mit getrocknetem Schlamm überzogen und in den Uferregionen stehen immer noch Sträucher und Bäume unter Wasser. In Budapest ist uns das Hochwasser nicht aufgefallen. Nur die Erklärungen von Szofie lassen uns erahnen wie hoch die Donau vor einigen Wochen war.

Nach ca. 40 Kilometern ist der Radweg durch ein Absperrband gesperrt. Da der Weg dahinter gut aussieht, versuchen wirs trotzdem. Leider! Nach kurzer Zeit ist der geteerte Radweg mit einer kleinen, aber sehr rutschigen Schlammschicht überzogen. Vorbei an drei grinsenden Arbeitern, welche den Schlamm vow Weg am entfernen sind, beginnen die wohl schlimmsten 5 Minuten unserer Radtouren. Die Räder beginnen durch den Schlamm zu blockieren und als wir beschliessen zu schieben, merken wir – zu spät – dass wir in einem Mücken-Eldorado sind! Rutschend, fluchend und umunsfuchtelnd versuchen wir den Weg zurückzurennen – was mit 40kg Velos, welche immer wieder blockieren und den tausenden Mücken um uns – die reinste Tortur ist. Nochmals an den grinsenden Arbeitern vorbei, erreichen wir wieder sichere Wege.

Vor der Fährüberfahrt nach Vac essen wir etwas kleines zu Mittag. Auf der “nördlichen” Uferseite scheinen die Aufräumarbeiten schneller vorangegangen zu sein. Die Radwege sind in einem sehr guten Zustand. Auch die Landschaft nimmt durch die Hügelzüge um Visegrad spannende Formen an. Wir geniessen es hintereinander herzufahren und unsere Gedanken baumeln zu lassen.

Auf dem Camping von Esztergom schlagen wir um acht Uhr unser Nachtlager auf, fliehen nochmals kurz vor den Mücken in die wohltuenden Duschen und spritzen uns anschliessend mit Antibrumm ein. Es wirkt! Das superleckere Nachtessen im Mediterraneo haben wir uns nach 98 Kilometern redlich verdient: Krautsalat, Gyrosplatte mit Pommes, Lachs im Bananenblatt auf gegrilltem Gemüse und Somloer Nockerl. :-) Gute Nacht!

Ach ja, nebenbei ist die Canon EOS 5D Mark III ausgestiegen… “Error 1″ oder der Kontakt zwischen Kamera und Objektiv funktioniert nicht richtg. Deshalb muss jetzt das iPhone in die Presche springen, bis Ersatz oder Reparatur naht. Wahrscheinlich erst in Wien.

98km, 5:55h, 27-36*C, leichter SW-Wind

20130711-193517.jpg

20130711-193530.jpg

20130711-193550.jpg

20130711-193607.jpg

Budapest

Am Samstag Nachmittag starten wir von St. Gallen aus auf meist bekannten Wegen in Richtung Grabs. Via den Eichberg radeln wir die 54km ins Rheintal. Eine wunderbare landschaftliche Entdeckung machen wir nach dem Kobelwald in Richtung Hirschensprung.

Der Citynightline bringt uns, wie gewohnt, unkompliziert und schnell in neue Länder. Am Sonntag Morgen erreichen wir die ungarische Hauptstadt Budapest. Marc und Szofie holen uns am Bahnhof Keleföld ab.

In den folgenden drei Tagen entdecken wir mit gut 50 Rad- und einigen Fusskilometern eine tolle und abwechslungsreiche Stadt. Kulinarisch lassen wir uns in verschiedenen Lokalen, wie dem Jedermann, der Hummusbar oder zu Hause bei Szofies Mutter verwöhnen.

Budapest ist von den verschiedenen Epochen stark geprägt. Seine Blütezeit war sicherlich vor der russischen Besatzung, was an den alten wunderschönen Gebäuden zu erkennen ist. Im krassen Gegensatz dazu zeugen die “russischen” Plattenbauten nicht von einer Zeit des Wohlstandes und der Freiheit.

Der Donau entlang von Budapest bis nach St. Gallen

Von Budapest bis nach St. Gallen. Das ist unser nächstes Ziel!

Am 7. Juli fahren wir mit dem CityNightLine von Buchs direkt nach Budapest. Dort werden wir bei Marc und Zsofie unser Hochzeitsgeschenk einlösen und ein paar Tage die Stadt geniessen. Danach geht es mit dem Fahrrad der Donau nach zurück in Richtung Schweiz. Alles wie immer mit Vollpackung :-)

 

Seite 2 von 212