Dänemark

Bei Svend in Falster

Kurz nach Mitternacht werden wir von einem starken Gewitter mit Blitzen und Donner geweckt. Der Regen hört zum Glück gegen neun Uhr auf und wir können trocken auf unsere Räder. Den restlichen Tag bleibt es mehrheitlich bewölkt, nur ab und zu blinzelt die Sonne durch die Wolken.

Von unseren 62 Tageskilometern fahren wir deren 60 gegen den immer stärker werdenden Südwind. Doch für die harte Beinarbeit werden wir mit einem tollen Lagerplatz direkt am Meer belohnt! Als unser Zelt steht kommt der nächste Regen. Nach einer Stunde hört er auf und es bleibt bis zum Schlafengehen trocken. Neben uns zeltet eine junge dänische Familie und drei dänische Kajakfahrerinnen. Mit der Familie plaudern wir ein bisschen über dies und das.

Vor dem Abendessen begrüsst uns Svend, der Lagerplatzbesitzer, welcher gleich nebenan wohnt. Da er früher beruflich längere Zeit in der DDR arbeitete, spricht er fliessend Deutsch. Er erzählt uns einige seiner eigenen Geschichten und wir von unseren Radreisen. Nach dem wir zum Znacht unser feines Spargel-Schwarzwälderschinken-Risotto gegessen haben, setzt sich Svend nochmals zu spannenden Gesprächen und einer Honigmelone zu uns. Er ist wirklich ein sehr interessierter Herr mit einem riesigen Wissen und falls er einmal etwas nicht weiss, speichert er es sich um zu Hause gleich nachzuschauen.

So zum Beispiel die Marke Kaikkialla. Der Name kommt aus dem Finnischen, Kaikki heisst alles und alla ist ein spezieller, selten gebrauchter Fall in der finnischem Sprache. Die Finnen kennen 16 Fälle! Da sind wir froh nur 4 Fälle im Deutschen zu haben. :-) Sinngemäss heisst dann Kaikkialla “Besser als alles Andere”. Die beiden Produkte von Kaikkialla (Zelt und ein Fleecepulli) haben sich nach über hundert Outdoortagen bestens bewährt. Ob es die besten sind, wissen wir nicht. Das Preis-Leistungsverhältnis wird aber mit Bestimmtheit in der obersten Liga spielen.

Nach einem fantastischen Sonnenuntergang plaudern wir vor dem Schlafengehen nochmals mit “Jon” und “Mei” (die jungen dänischen Eltern). Ihr 2,5 Jahre alter Sohn “Ask” schläft schon im Zelt.

Sportlich schalten wir ab morgen sicher einen Gang zurück, um uns Dänemark nicht nur im Vorbeifahren anzusehen.

28.7.12, 5.Tag: 62km, 4:10h, 14 – 26*C, starker Südwind

Am letzten heissen Sommertag bis nach Køng

Um 6:30 packen wir unsere Sachen zusammen und können eine halbe Stunde später losfahren. So früh morgens ist es angenehm kühl zum Radfahren. In Mørkøv gibt es Frühstück bei einem Sitzplatz hinter dem Dorfladen. Der Kassier hat uns nach dem Einkauf ohne ein Wort hinter das Haus “gezerrt” und uns den Sitzplatz angeboten. Merci! Danach gehts im flotten Tempo weiter südwärts.

Wir durchqueren das “dänische Niemandsland”. Denn ausser den vielen (vor allem Korn-) Feldern und meist sehr heruntergekommenen Höfen gibt es hier nichts. Unseren Zmittag essen wir auf der Wiese des Kommune-Hauses von Tystrup oberhalb des Tystrup Sees.

Den nächsten Laden finden wir erst nach ca. 70 Kilometern in der Stadt Næstved, welche wieder am Meer im südlichen Sjælland liegt. Eine genauere Karte, ein frisches Milchglace sowie der nächste Znacht und Zmorgen werden eingekauft. Mit den letzten Kräften radeln wir durch den zunehmenden Westwind nochmals knapp 20 Kilometer nach Süden zum Lagerplatz westlich von Køng. Wir sind heute haargenau 100 Kilometer geradelt! Nach der Petflaschendusche kochen wir eine neue Eigenkreation: Fertige Frikadellen mit Zwiebeln, Peperoni, scharfes Öl und Chilis (beides “Resten” aus dem Olivenglas), Paprika, Thymian, Basilikum und das Ganze am Schluss mit Birnen-Cider abgelöscht und eingeköchelt. Dazu gibts Pasta und Salat. Lecker!

Da die Mücken während dem Kochen und Essen beide Fussgelenke (durch die Socken!) und die Stirn von Andreas nicht in Ruhe lassen konnten, entscheiden wir uns nicht im Shelter sondern im mückensicheren Zelt zu schlafen. Morgen kommt der erste Regen, doch das hält uns nicht zurück in Richtung der schönen Strände von der Insel Falster zu fahren!

27.7.12, 4.Tag: 100km, 6:30h, 14(Nacht)-32*C, E-Wind gegen Abend stärkerer W-Wind

Über den Isefjord

Den Isefjord überqueren wir schon gegen 10 Uhr. Eine Fähre bringt uns in 20 Minuten von Hundested nach Rørvig. Nach dem wir kurz darauf Nykøbing S passiert haben, führt uns die Nationalradroute 7 durch das dänische Hinterland in Richtung Süden. Viele Felder und wenige Waldstreifen wechseln sich mit kleinen Provinzdörfchen ab. Die Landschaft ist eher eintönig und hügelig. Die Hügel haben den Vorteil, dass wir ab und zu tolle Aussichten über das umliegende Land geniessen können.

In Vig rasten wir vor der Kirche im (fast zu) kühlen Schatten eines Baumes. Die Sonne meiden wir während den Pausen zum Wohle unserer Haut. Gegen vier Uhr treffen wir auf einem Bauernhof aus dem Jahre 1913 ein. Dort sollte unser Lagerplatz sein. Ein altes dänisches Ehepaar sitzt vor dem Hof unter einem Baum und nimmt Stachelbeeren von frischgeschnittenen Beerensträuchern ab. Sie begrüssen uns sehr freundlich auf dänisch. Schnell stellt sich heraus, dass sie einzig ihrer Landessprache mächtig sind. Doch mit unseren Fahrrädern brauchen wir gar nicht dänisch zu sprechen und die Frau zeigt uns den Garten, wo wir unser Zelt aufschlagen können. Die sanitären Anlagen im Stallgebäude sind leider defekt. Doch der Gartenschlauch leistet seinen Duschdienst bestens. Kalt, aber das sind wir uns ja gewohnt.

Müde vom dritten Tag, liegen wir im Zelt herum, planen noch ein bisschen – wahrscheinlich lassen wir eine Rundfahrt auf der Insel Lolland aus, damit am Schluss genug Zeit für Kopenhagen bleibt – und kochen unseren Znacht.

Wir lieben Pasta! Deshalb gibt es Fusili mit Speck, frischen Zwiebeln, Peperoni und dänischem Frischkäse (eine Art Kreuzung aus Creme Fraiche und Sauerrahm mit 6% Milchfettanteil). Sehr lecker! Nach dem Zähneputzen geht Andreas die Übernachtung bezahlen. Die Dame möchte nur 20 Kronen (3.50 Fr.). In der Regel kostet eine Übernachtung auf einem solchen Lagerplatz 20 Kronen pro Person, was immer noch sehr günstig ist! Nur zum Vergleich: ein normaler Campingplatz würde uns ca. 250 Kronen kosten…

Morgen möchten wir noch früher aufstehen. In den Morgenstunden sind die Beine einfach frischer als nach dem Mittag. Wie heisst es so schön: “Morgenstund hat Gold im Mund!”

26.7.12, 3.Tag: 68km, 4:20h, 20-30*C, kühle Bise aus Westen

Fast in Schweden

Durchschlafen bis neun Uhr bringt uns die nötige Energie um in den Tag zu starten. Andreas fühlt auch wieder fahrtauglich. Nach einem Crunchy-Müsli mit Milch und Blaubeersaft radeln wir gemütlich weiter nordwärts. An der schmalsten Stelle des Øresunds sind wir keine 4 Kilometer von Schweden entfernt. Grössere Gebäude sind gut zu erkennen. Viele Segelschiffe tummeln sich im ruhigen Kattegat.

Die dänische Sommerferienzeit macht sich an den vielen schönen Stränden bemerkbar. Viele Familien verbringen ihre freien Tage am Strand und tanken Sonne (bis vor 2 Tagen war das Wetter in Dänemark lange sehr durchzogen ). Wir lassen Helsingør hinter uns, kaufen unterwegs ein und rasten wärend der heissen Nachmittagszeit im Schatten eines Baumes am Strand. Unser Nachtlager schlagen wir neben einem Schelter mit kleinem Tümpel im Wald südlich von Tisvildeleje auf. Im Schelter und einem Zelt neben uns hausen zwei dänische Familien mit 5 kleinen Kindern. Ach ja, spätestens hier sollten wir erwähnen wie süss und niedlich blonde dänische Kinder sind! Und die sind ja alle blond. :-)

Salat, Pasta mit Tomatensauce und Pesto, sowie die restliche Melone vom Mittag gibts zum Abendessen. Geduscht wird (wie gestern) eiskalt aus der Petflasche. Nach einer kleinen Reorganisationszeit und dem Kartenstudium für morgen gehts gegen halb zehn “ins Bett”. Die spielenden Kinder sind eine Wohltat für unsere Ohren, nach dem Krachkatzenjammer-Vogelgeschrei von gestern :-) .

25.7.12, 2. Tag: 66km, 4:25h, bis 30*C, leicht S bis E

Bei der Kleinen Meerjungfrau

Mit sehr wenig Schlaf und leichter Verspätung treffen wir in Kopenhagen ein. Die Nacht war alles andere als toll und wir sind schon vor dem ersten Kilometer gerädert. Nach dem wir uns in der Touristeninfo einen Stadtplan geholt haben, schlendern wir gemütlich durch die Gassen in Richtung Meer. Im King’s Garden essen wir unsere letzten Migrosbrötchen. Unsere Schnell-Stadtbesichtigung geht weiter durch das Kastellet (Ehemalige Burg/Fort) zur Kleinen Meerjungfrau. Diese finden wir dank den vielen Touristencarparkplätzen und der Besuchermenge, welche sich als knipsende Glocke um das kopenhagner Wahrzeichen formiert.

Gegen 2 Uhr schwingen wir uns auf die Velos und fahren der Küste entlang von reicheren Vorstadt-Küstenorten nach Norden. Unterwegs pumpen wir einer jungen Schwedin das Vorderrad damit sie nicht den ganzen Weg das Rad schieben muss. Nach 41 km halten wir bei unserem ersten Lagerplatz nahe Nivå. Andreas hat sich kurz vor den Ferien erkältet und nach diesem ersten Tag an der frischen Luft und in den Pedalen brummt ihm der Kopf. Wir kochen uns Pasta mit Zuchetti und Pilzen umd legen uns früh schlafen. Leider singen die Vögel über uns keine Gutenacht-Lieder sondern veranstalten in der Dämmerung das reinste Schreikonzert… Andreas gehts hundeelend. Leichtes Fieber, Kopfweh und Übelkeit lassen ihn nicht schlafen. Gegen Mitternacht rafft er sich nochmals auf und kocht sich eine heisse Milch mit Honig. Zusammen mit einer Schmerztablette findet er endlich den langersehnten Schlaf.

24.7.2012, 1. Tag: 41km, 3:16h, bis 30*C, leichter Südwind

Mit dem CityNightLine nach Kopenhagen

Mit dem Zug in die Veloferien zu reisen ist viel unkomplizierter als mit dem Flugzeug. Es gibt keine Transportbeschränkungen und spezielle Vorkehrungen an den Fahrrädern sind nicht nötig. Bei früher Buchung kostet es auch gar nicht viel: St. Gallen – Kopenhagen, retour, 2 Personen mit Fahrrad, ca. 350.- CHF.

Von Basel bringt uns ein CityNightLine Zug über Nacht direkt in die dänische Metropole Kopenhagen. Von dort aus werden wir im Gegenuhrzeigersinn einmal um die Insel Sjælland, Lolland, Falster und Møn fahren.

Wir planen alle 2-3 Tage einen Blogeintrag zu posten und freuen uns natürlich über einige daheim-gebliebene Leser. Das Wetter scheint es ja gut zu meinen! Bis Ende Woche sind erst mal Sonne und schwache Winde gemeldet! :-)

So, dann verweilen wir uns jetzt mit Kartenspielen, Schiffliversenken oder Aus-dem-Fenster-gucken… Bis in Dänemark!

Dänemark: Unser nächstes Abenteuer beginnt am 23. Juli

Vom 23. Juli bis zum 9. August werden wir das Seeland von Dänemark mit unseren frischluft tour Velos erkunden. Alles weitere zu seiner Zeit…

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